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Den vielleicht nachhaltigsten Eindruck im Festival hinterließ jedoch die Solo-Performance “Limbo” von Viktoriia Vitrenko. Nicht nur, weil die Ukrainerin hier als Pianistin, Sängerin und Darstellerin in einer Person mehrere Liedzyklen zu einem Gesamtkunstwerk zusammenspannte. Zu der intensiven Performance gehörte auch ein Video, das Maria Kolesnikowa auf einer der Demonstrationen in Minsk zeigt. Sie und Vitrenko kennen sich gut, ihr hat sie diesen bewegenden Abend gewidmet. Gegen Ende kann sie ihre Tränen kaum noch zurückhalten. Kolesnikovas Geist ist hier in jeder Minute präsent. Wie es ihr in Haft geht, weiß derzeit niemand. Aber vergessen ist sie nicht.

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Elisabeth Schwind
SÜDKURIER | 09.02.2022 | ECLAT FESTIVAL


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Zwischen Sprechen, Schreien, Singen und Krächzen gleitet die ukrainische Künstlerin Viktoriia Vitrenko in dem „Limbo“ genannten Programm. Die eröffnenden „3 Songs“ der polnischen Komponistin Agata Zubel geben die dramaturgische Linie vor. Geradezu existenzialistisch wirkt der ohne Text auskommende Vokalpart, dessen Schillern aber umso ergreifender wirkt, was durch den Klang des präparierten Klaviers auf interessante Art verstärkt wird. Das Scheppern, Ploppen und Grummeln des Flügels erzeugt ein reichhaltiges Farbspektrum. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Viktoriia Vitrenko sich in dem fast zweistündigen Programm regelrecht verzehrt. Sie singt und begleitet sich selbst am Klavier und überhöht das Ganze zur Performance (Regie: Titus Selge). Die Bühne weckt die Erinnerung an eine Gefängniszelle mit Gitterfenster und verschmutzter Toilettenschüssel. Eingehüllt in eine Decke kauert Vitrenko zunächst unter dem Flügel, kriecht hervor und entpuppt sich als lebende Mumie, eingehüllt in weiße Binden. Nach und nach wird sie sich entpuppen, legt dabei immer wieder (geschminkte) Verletzungen offen, die einhergehen mit einer politischen Dimension. Diese wird am stärksten in Ying Wangs „Illuminations“ deutlich, in dem ein Schauprozess in China sowie die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava in Videoeinspielungen zu sehen sind. Wehmut macht sich am Ende in Maxim Shalygins Liedzyklus „Lieder der Jugend“ breit. Anklänge an traditionelle Volkskunst prägen die sieben Lieder mit ihrem melancholischen Gestus, der zielstrebig zum abschließenden „Agnus Dei“ führt, das als Klage mit großer Schlusssteigerung angelegt ist.

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Markus Dippold
Stuttgarter Zeitung | 08.02.2022 | ECLAT FESTIVAL


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